Soundcheck oder: Wie man den Tontechniker so richtig nervt

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Heute mal eine kleiner Beitrag aus dem alltäglichen Berufslebens eines Tontechnikers. (Netzfund – Quelle unbekannt)

Der Text ist Überspitzt und mit einem Augenzwinkern geschrieben, hat aber durchaus auch viel Wahrheitsgehalt.

 

Der Tontechniker

Zunächst mal ist dies hier keine Hasstirade. Ich liebe meinen Job und ich lebe fürs Live Mischen. Es gab nur in den Jahren meiner Berufserfahrung immer wiederkehrende, vermeidbare Schwierigkeiten mit Bands, die meinen Job manchmal nervig bis unerträglich gemacht haben und zu Diskussionen geführt haben.

Rockstargehabe

Wenn ihr auf einem Stadtfest spielt, tut es nicht Not so zu tun, als wären wir beim Hurricane oder WACKEN. Habt bitte Respekt vor Mensch und Technik, inklusive der Leute, die euren Dreck wieder wegmachen müssen. Verschüttetes Bier und Wasser ist scheiße, auf Monitoren mit matschigen Schuhen rumspringen zerstört diese und verbiegt die Gitter, HipHop Style das Mic „droppen“ kostet mindestens einen neuen Mikrofonkorb oder das Recht weiterhin oder zukünftig diese Bühne zu betreten, Konfetti, Lametta oder Styroporkugeln sowie SÄMTLICHES Pyro ist bitte vorher anzumelden, und was ihr aus Übermut kaputt macht bezahlt ihr auch, keine Diskussion. Negative, giftige Sätze wie „Alles Scheiße hier, du kannst ja gar nix, klingt kacke, kaum Leute hier, blablabla“ führt dazu, dass ich für euch nur noch das Nötigste mache und ihr mir mit sofortiger Wirkung Scheißegal seid. Wer mich anschreit „Ey, RedBull iss alle!“ bekommt „Stimmt.“ als Antwort.

Ich will alles laut

Euer Monitormix sollte nur aus dem bestehen, was ihr für eure Performance hören müsst. „Alles“ ist keine Antwort auf „Was brauchst du?“. Ich frage mich dann immer wie ihr das im Proberaum schafft. Findet heraus, was jeder einzelne zwingend braucht und in welchem Verhältnis in der heutigen Location. Deine eigene Stimme, klar. Die Akustikgitarre, natürlich. Mehr E-Gitarre, mehr Toms, mehr Overhead, mehr mich, mehr Bass, mehr Keyboard, mehr Hall, mehr Trompete, mehr mich, mehr Snare, mehr Gitarre, mehr Hihat… ich hör mich nicht, MEHR MICH! – Mittelfinger engaged.

Aber Christina Aguilera macht das auch so

Ein Gesangsmikro hält man vor den Mund. Kann sein, dass du auf nem Konzert mal gesehen hast, wie jemand mit dem Mikro „arbeitet“, aber bitte, BITTE hör auf damit das Mikrofon bei vermeintlich lauteren Passagen eine Armlänge von deinem Mund wegzuhalten. Die meisten Gesangsmikros sind nur auf den letzten 10 cm bis zum Korb empfindlich genug um deine Stimme über die Lautstärke der Band zu übertragen. Bedeutet, dass man dich in den „lauten“ Passagen einfach NICHT HÖRT. Und nein, das kann ich nicht so einstellen, lerne wie man ein Mikro bedient.

Hast du mal nen 9V Block?

Sofern ihr noch keine Roadies und Backliner habt seht bitte zu, dass eure Ausrüstung spielbereit ist. Habt Ersatzsachen dabei für Dinge, die gerne mal kaputtgehen oder sich lockern. Ersatzsaiten pro Gitarre (JA, AUCH BÄSSE!), Stimmschlüssel für Drums, Ersatzfelle, frische Batterien, Stimmgeräte, Tape, Ersatzschrauben, Werkzeug, Ersatzkabel, Sicherungen, Stifte, Zettel etc. Es gibt kaum etwas Peinlicheres, als wegen einer leeren Batterie den Gig zu beenden.

Meine Stimme ist sehr dynamisch

Auch wenn das auf Platte gut kommt, kaum wahrnehmbares Flüstern in der Strophe und lautes Kreischen im Refrain ist nicht Dynamik, sondern Folter. Ich werde dein Mikro nämlich während der Strophe immer lauter machen, damit man dein Gestammel hört, und wenn du dann loslegst bekommen alle im Raum einen Herzinfarkt und schauen mich böse an. Spätestens dann kommt auf deine Stimme ein harter Limiter, der deine „Dynamik“ einfängt und deine Performance eintönig wirken lässt. Und in der Strophe wird man dich nicht mehr hören.

Wie ging das noch?

Soundcheck ist Arbeitszeit. Meine wie eure. Wenn um 15:00 Soundcheck ist, dann seid bitte um 14:45 mit euren Instrumenten bereit neben der Bühne. „Wo ist denn Frank…“ geht gar nicht. Und Soundcheck ist vor allem keine Zeit zum rumeiern oder sogar Proben. Das macht ihr bitte im… wie heißt das noch… PROBE-Raum. Die gesamte Crew und ich haben sicherlich besseres zu tun als hinterm Pult festzusitzen und euch dabei zuzuschauen wie ihr denselben Song 3 Mal spielt und immer wieder die Bridge verkackt.

Soundcheck – wie es funktionieren kann

Ich erinnere mich gerade an das erste Mal – ich meine den ersten Soundcheck. Aber nicht an meinen, der war harmlos. So harmlos, dass ich ihn vergessen habe. Ich meine den Soundcheck einer jungen angehenden Tontechnikerin. Der war nämlich äußerst unangenehm und endete in Tränen ihrerseits. Wieso dies? Weil die jungen Herren Musiker meinten, sie müssten den Soundcheck der Band dazu benutzen, um IHREN persönlichen Sound am Instrument neu zu erfinden, statt einfach den verd… Soundcheck zu machen. Jedenfalls dudelte alles durcheinander, ohne auf die Technikerin zu hören. Sowas zerrt am Nervenkostüm, und die Dame war wohl etwas zu nah am Wasser gebaut oder an dem Tag nicht gut drauf. Jedenfalls war es ein mittleres Desaster. Genug der Vorrede. Wie gestaltet Ihr einen Soundcheck, der einerseits angenehm und andererseits produktiv ist?

Außerdem: Die Fragen, die mir ein Forenkollege neulich stellte, lauteten sinngemäß wie folgt: „Wie und wann stellt man die Kompressoren beim Soundcheck ein? Oder: Welche Anweisungen gebe ich dem Künstler, um den Kompressor möglichst gut einzustellen?“ Fangen wir einfach von vorne an.

Der menschliche Aspekt

Wir erinnern uns an dieser Stelle nochmal, wozu ein Soundcheck gut ist. Er dient dem Formen des Bandsounds für den Abend, dem Zusammenfügen von existierenden Einzelsounds zu einem funktionierenden Ganzen, außerdem dient er dem Anpassen des Sounds an den Raum. Der Soundcheck dient NICHT dazu, dass die Musiker ihren ganz persönlichen Sound nochmal neu definieren – allenfalls noch dazu, ihren persönlichen Sound an die akustischen Verhältnisse auf der Bühne anpassen. Er dient (außer vielleicht in manchen Profikreisen) auch nicht dazu, noch schnell was laut zu üben oder zu komponieren. Schon gar nicht dient er dem Herumklimpern einzelner, zu keiner Zeit!

Noch etwas sollte klar sein: Das Sagen hat während des Soundchecks der Tontechniker (egal, ob männlich oder weiblich). Wenn der Tech sagt, jemand spielt, dann tut derjenige das auch. Wenn der Tech sagt, dass der Rest der ganzen Gang nun Sendepause hat, dann ist das für den Augenblick Gesetz. Warum? Weil es Zeit spart. Der Tech ist in diesem Moment wie der Trainer einer Fußballmannschaft oder der Dirigent eines Orchesters. Die Macher sind die Spieler oder Musiker. Aber ihre Kommandos (zumindest während des Soundchecks) erhalten sie vom Coach bzw. Dirigenten. Und das ist hier der Tontechniker.

Nun zum Ablauf

Zuerst der Einzelcheck jedes Einzelsignals. Immer nach dem gleichen Muster: Erst den Gain einpegeln (noch etwas Luft nach oben lassen!), dann laut aufdrehen und den EQ einstellen, danach grob die grundlegenden Effekte wie Hall und Echo, falls Gates und Expander benutzt werden, dann diese auch einstellen, evtl. die Kompressor Einstellung, aber eher zu dezent als zu stark, dann ungefähr den Pegel einstellen, wie er nachher im Mix sein soll. Monitorwege kommen später erst dran.

Das war jetzt meine persönliche Reihenfolge. Technischer sinnvoller ist es allerdings, wenn man die Grobeinstellung der Dynamics gleich nach dem EQ vornimmt und die Effekte erst danach drankommen. Bei mir funktioniert es auch anders gut, aber es hat durchaus Sinn, es anders zu machen als ich.

Zur Reihenfolge der Instrumente

Bei mir geht es los mit der Bassdrum, dann Snare, dann Toms von klein nach groß, dann Overheads und evtl. HiHat, danach unbedingt nochmal das ganze Drumset checken. Und macht nicht den Fehler, nach jedem Einzelsignalcheck den Kanal wieder abzudrehen – der Fader bleibt oben. Den Grund dafür könnt Ihr in meinem Workshop über Kompressoren lesen.

Eine interessante Variation im Ablauf des Soundchecks, von der ich mal gehört habe, möchte ich Euch nicht vorenthalten, selbst wenn ich sie nach einem Versuch nicht mehr selbst praktiziere: Nach dem Check der Bassdrum kommt der Gesang! Und dann diese beiden immer im Wechsel, bis das Verhältnis stimmt. Was soll dies bezwecken? BD und Gesang sind zwei der wichtigsten Signale im Arrangement. Wenn diese beiden sich in die Quere kommen, klingt die ganze Band nicht gut. Also sorgt man gleich zu Anfang durch den Abgleich dieser beiden Signale dafür, dass die zwei gut im Sound harmonieren. Wenn man sich (wie anscheinend die meisten Menschen) nicht vorstellen kann, wie zwei Sounds, die man bislang nur einzeln gehört hat, zusammen klingen, ist so etwas hilfreich. Versucht es, und wenn Ihr Euch damit gut fühlt, bleibt dabei.

Danach kommt bei mir der Bass einzeln, dann der Bass im Zusammenhang mit den Drums.

Danach die Gitarre(n). Erst einzeln, denn im Zusammenspiel mit den Bass und Drums. Dann die Keyboards – wieder erst einzeln, denn im Zusammenspiel mit allen anderen. Danach die Vocals – erst … na, Ihr wisst schon.

Also ich zumindest mache es meist so, dass ich beim Soundcheck der Einzelsignale erst nur ganz dezent komprimiere – Gesang kaum mehr als 3 dB. Mein Hauptaugenmerk liegt an dieser Stelle eher auf dem EQ und den Haupteffekten (Hall, Delay). Um die Kompression kümmere ich mich erst richtig, wenn die ganze Band das erste Mal zusammen performt, also nach dem Check der Einzelsignale und dem groben Vor-Mischen.

Wenn ich dagegen mit Gates und Expandern zugange bin, stelle ich die schon bei den Einzelchecks so gut wie möglich ein und justiere später höchstens noch kurz nach.

Zurück zum Soundcheck, denn nun kommt die ganze Band zusammen dran: Zuerst lasse ich mir sagen, wer welches Signal wie laut auf seinem Monitor haben will und mische das dann grob vor. Beim Check der kompletten Band korrigiere ich zuerst die Lautstärkeverhältnisse der Front-PA nochmal fein (geht mit etwas Routine sehr schnell, weil man im Lauf der Zeit immer besser vormischt), und DANN kommen die Feineinstellungen bei den Kompressoren. Der Grund hierfür ist der, dass die meisten Sänger einfach nicht alles geben, wenn sie alleine singen (es gibt Ausnahmen, die haben verstanden, worum es bei einem Soundcheck geht). Im Bandkontext erst geben die meisten wirklich Stoff.

Ich mache den Bandcheck so, dass ich von einem Uptempo-Song eine Strophe und einen Refrain spielen lasse. WÄHREND des Spielens mache ich zuerst die Feinabstimmung der Pegelverhältnisse und der Kompressoren. NACH dem ersten Durchgang lasse ich mir sagen, was die Musiker gerne mehr oder weniger auf ihren Monitoren hätten und gleiche meinen Monitormix daran an. Das sollte man den Leuten aber vorher ankündigen, damit es klappt: „Ihr spielt jetzt eine Strophe und einen Refrain von dem Song XYZ, und danach sagt Ihr mir, was Ihr gerne mehr oder weniger auf Euren Monitoren haben wollt. Los geht’s!“ Dieses Prozedere wiederhole ich zwei- oder dreimal mit demselben Song, bis ich mit dem Frontsound happy bin und die Musiker mit ihren Monitoren zufrieden sind. Der Soundcheck hat bei mir bis hierher etwa zehn bis fünfzehn Minuten für eine fünfköpfige Rockband gedauert, und wenn es sein muss, reicht mir das. Im optimalen Fall haben wir aber noch zehn Minuten mehr.

Dann lasse ich die Band meist noch eine Ballade anspielen und prüfe, ob die Pegelverhältnisse und Kompressionsraten hier noch stimmen, spiele ein wenig mit längeren Delays und größeren Hallräumen rum.  Dann kommen die Songs mit speziellen Solofeatures wie mächtigen Keyboardintros, Bass- oder Schlagzeugsolos. Auch einen Song mit einem Gitarrensolo von jedem Gitarristen lasse ich mir mal vorspielen, damit ich weiß, was mich später erwartet, aber das ist dann schon eher Luxus, wenn wir mal 30 Minuten Zeit für einen Soundcheck haben.

 

KRACHPENG – Ups

Soundcheck ist vorbei, schnell noch mal warmspielen im Backstage? Klar, aber bitte sagt mir irgendwie Bescheid, wenn ihr die Akustikgitarre abzieht. Meistens reicht ein Augenkontakt, eine Geste oder kurz ans Mikro gehen und fragen. Dann mute ich den Kanal und fertig. Sonst knallt es nämlich ziemlich laut in den Lautsprechern und diese (und die Ohren aller beteiligten) leiden. Oder kauft euch ein Stimmgerät, damit ihr selber muten könnt.

Saufen, saufen, saufen

Ich gebe zu, dass das zum Live spielen irgendwie dazugehört. Und ja, den Fehler habe ich auch schon gemacht. Aber bitte übertreibt es nicht. Eine besoffene Band ist nur halb so interessant, wie sie sich selber findet. Kennt euer Limit und sauft euch wenn’s sein muss erst nach dem Gig voll.

Das sieht so nicht schön aus

Ich bin seit etwa 6 Stunden hier und baue auf, stelle ein, mache mir einen Patchplan und habe Mikros nach den Anforderungen und meinen Soundvorstellungen ausgesucht und platziert. Bitte verstellt diese nicht, nur, weil es dann besser aussieht. Wenn euch eins bei der Performance stört, sagt mir Bescheid, dann finden wir gemeinsam eine Lösung.

Oh, ja, haben wir vergessen dir zu sagen

Wenn ihr mir 30 Sekunden vor der Show eine CD aufs Pult werft mit der Anweisung „Der 5. Song ist das Intro, ab 1:23 einfaden und dann vor „Fuck the cops“ bitte Track 12 oder 13, weiß ich nicht mehr.“ könnte es sein, dass es Schwierigkeiten gibt. Wenn es spezielle Dinge in eurer Show gibt schreibt mir bitte ne Setliste mit den klaren Anweisungen neben den Titeln. Hilfreich ist auch bei mehreren Sängern, wer jeweils die Hauptstimme singt, wann im Konzert das eine Mal die Akustikgitarre gebraucht wird oder welcher Titel die Ballade ist.

Rider? Das heißt jetzt Twix

Habt einen Rider, den ihr dem Veranstalter oder dem Club vorher schickt. Dann kann ich schon mal überlegen wie viele Kanäle ich brauche, alles vorbereiten und richtig hinstellen. Das beschleunigt den Soundcheck und es gibt keine Überraschungen. Haltet diesen aktuell! „Ach so, nee, wir haben jetzt 4 statt 1 Akustikgitarre und seit letztem Jahr nen Keyboarder und nen Drummer… das sollten wir mal ändern“ JA, SOLLTET IHR! Auf einem Rider sollten Anzahl der Musiker, Instrumente (bei Drums optimal: gesamtes Setup), benötigte Steckdosen, wer wo einen Monitor braucht, wenn was ihr an Deko/Technik/Licht und Crew mitbringt und eine grobe Aufstellung auf der Bühne ersichtlich sein. Ihr braucht einen CD Player fürs Intro? Drauf schreiben!

Vergesst bitte nicht, dass wir alle ein Team sind, das versucht einen bombastischen Abend zu haben und möglichst vielen Leuten Spaß zu zeigen und zu bringen.

In diesem Sinne.

euer Ton-Maxe

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