Die Umsatzsteuerpflicht für Künstler – Irrsinn und Irrglaube

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Ab einem gewissen Zeitpunkt ist jeder Künstler Umsatzsteuerpflichtig. Dieser Zeitpunkt ist dann erreicht, wenn er aus der Kleinunternehmer-Regelung herausfällt. Ab dann heißt es zu der Gage auch Mehrwertsteuer berechnen.

Doch Vorsicht, hier lauert eine große Falle, wenn man an den Irrglauben festhält, dass eine künstlerische Leistung dem ermäßigten Steuersatz von nur 7% unterliegt. Seit 01.01.2013 gilt bereits eine Neuregelung des Gesetzestextes. Hier ein Auszug:

UStG Änderung zum 01.01.2013

 

Was heißt das denn nun konkret?

Alle! Solisten (auch wenn nicht einzeln näher benannt) sind seit 2013 nicht länger dazu berechtigt den ermäßigten Satz zu berechnen. Sofern du also immer noch 7% MwSt. berechnest machst du dich, im Falle einer Steuerprüfung, der Umsatzsteuer-Verkürzung (Erschleichung von Steuervorteilen), schuldig. Vielleicht bist du jetzt der Meinung, dass du immer schon 7% genommen hast, dein Steuerberater dir dies auch so empfohlen hat, also was soll dir schon passieren? Ganz einfach: Wirst du geprüft, und das wirst du früher oder später, dann musst du die Differenz der Mehrwertsteuer, immerhin 12% des Umsatzes, nachzahlen. Sofern du es nicht schriftlich von deinem Finanzamt hast, dass du tatsächlich 7% nehmen darfst (und ich bezweifle mal, dass dies der Fall sein wird) oder dir dein Steuerberater dir eidesstattlich schriftlich versichert, dass du nur 7 % nehmen brauchst (er hätte dann im Ernstfall ja eine Versicherung die für die Fehlberatung und den Schaden aufkommt) gehe lieber davon aus das du nicht berechtigt bist den ermäßigten Steuersatz zu nehmen. Andernfalls wird dies teuer werden.

Ich habe mich in der letzten Zeit mit vielen Künstlerkollegen über dieses Thema unterhalten. Dabei ist mir aufgefallen das viele der Kollegen die bisher 7% genommen haben, so wie auch ich, eine Umsatzsteuer-Sonderprüfung bekommen haben. Das Ergebnis war einheitlich: Alle als Solist erbrachten künstlerischen Leistungen wurden auf 19% rückwirkend gesetzt und sie mussten die Differenz somit nachträglich abführen.

Hierzu eine kleine Beispielrechnung. Wenn du also Mehrwertsteuerpflichtig bist, dann hast du einen Jahresumsatz der größer ist als 17500,- € erzielt. Gehen wir mal von der runden Summe von 20.000 € pro Jahr aus. Für deine künstlerische Leistung hast du bisher 7% Mwst hinzugerechnet, also einen Brutto-Umsatz von 21.400 € erzielt. Den Vorsteuerjahresausgleich lass ich mal außen vor, denn wenn du geprüft wirst, dann i.d.R. für die Jahre für die du deine Steuererklärung bereits getätigt hast. Somit auch deine Vorsteuerabzüge bereits geltend gemacht hast. Dazu aber später noch mehr.

Nun hat man bei der Prüfung festgestellt, dass du die Leistungen als Solist erbracht hast und somit nicht 7%, sondern 19% hättest nehmen müssen. Das bedeutet, dass du statt 21400,- € laut Prüfergebnis ein Bruttoumsatz von 23.800 € erzielt hast, auch wenn du diesen auf dem Papier (Rechnung mit falschem Mehrwertsteuersatz) nicht so berechnet hast. Diese Differenz von 2.400,- € musst du nun nachträglich abführen. Jeder kann sich jetzt ausmahlen wie hoch seine eigene Differenz sein könnte bei einer Prüfung, denn du wirst sicherlich nicht nur für 1 Jahr geprüft, sondern meist für 5 Jahre rückwirkend, und bei „Erfolg“ auch gern ein paar Jahre mehr. Auch wirst du ggf. nicht nur einen Jahresumsatz von nur 20000,- € mit künstlerischer Leistung erzielen. Die Summe der abzuführenden MwSt. wächst also eher noch nach oben an. Mitunter können hier sehr leicht durch die MwSt.-Differenz von 12% des Jahresumsatzes gerne mal Summen im 5-stelligen Bereich zusammenkommen, die du nicht eingenommen hast, aber dennoch jetzt abführen musst, nur, weil du den falschen MwSt.-Satz berechnet hast.

Was dies finanziell für dich bedeuten kann brauch ich wohl nicht weiter erörtern.

 

Ich wurde geprüft, und habe nur 7% eingenommen. Was kann ich tun?

Nun, zum einen kannst du deine Kunden anschreiben und eine korrigierte Rechnung schicken und dir die MwSt.-Differenz von deinem Kunden holen. Geschäftskunden (also Kunden die die MwSt. selbst auch nur als durchlaufenden Posten haben) werden damit eher kein Problem haben und dir die Differenz überweisen. Bei Privatkunden sieht das ganze anders aus, denn diese haben keinen steuerlichen Vorteil daraus und werden sehr wahrscheinlich nicht dazu bereit sein dir die Differenz nachträglich zu zahlen. Der Arbeitsaufwand hierfür ist allemal immens wobei die Steuerschulden sofort fällig sind und die nachberechneten Zahlungen sich hinziehen können.

Des weiteren kannst du auch die bittere Pille schlucken und die MwSt.-Differenz einfach bezahlen, sofern du die finanziellen Mittel dazu hast. Notfalls durch Aufnahme eines privaten Darlehens bei deiner Bank.

Die letzte Möglichkeit die dir bleibt ist der Offenbarungseid und die Privat-Insolvenz. Aber Vorsicht: seit 2015 gilt auch hier eine Neuregelung des Insolvenz-Gesetzes in Bezug auf Steuerschulden. Explizit heißt es hier, dass vorsätzlich hinterzogene Steuern nicht mehr der Restschuldbefreiung unterliegen. Was so viel heißt wie: Hat man dir nachgewiesen, dass du die Steuern vorsätzlich verkürzt bzw. hinterzogen hast, dann wirst du diese ein Leben lang abzahlen müssen. Unwissenheit schützt bekanntlich nicht vor Strafe. Nur, weil du nicht gewusst hast das du nicht 7%, sondern 19% hättest nehmen müssen, hast du die MwSt. auch nicht vorsätzlich hinterzogen. Falsch – Genau das wird dir nun das Genick brechen und dich als Steuerhinterzieher „entlarven“. Denn du bist eigenverantwortlich für die ordnungsgemäße Abgabe deiner Steuererklärung, somit musst in erster Linie du selbst dich von der korrekten Abwicklung vergewissern und dich über geltendes Gesetz oder Gesetztes-Änderungen selbst informieren.

Ist allerdings der Gesetzestext erst nach deiner Steuererklärung in Kraft getreten, brauchst du auch für die Jahre vor der Gesetzestext-Änderung auch nichts zahlen, es sei denn du hast die Erklärung erst nach der Änderung eingereicht. Etwas verwirrend, nicht wahr? Ich erklär das mal an Hand des o.a. Gesetzestextes. Dieser trat zum 1.1.2013 in Kraft. Für alle Steuererklärungen die die vor dem 01.01.2013 (evtl. auch für knapp danach eingereichte) gilt diese Gesetzestextänderung dann nicht. Wohl aber für alle danach eingereichten Steuererklärungen, auch wenn diese für Geschäftsjahre sind die vor 2013 liegen, bzw. zum Zeitpunkt der Abgabe gelegen haben. Denn zum Zeitpunkt der Abgabe deiner Steuererklärung hättest du bereits von der Änderung wissen müssen und selbständig in Form der MwSt.-Korrektur handeln müssen.

Hast du deine Steuererklärung für 2011 oder 2012 vor der Gesetzesänderung zum 01.01.2013 eingereicht, konntest du von der Gesetzesänderung nichts wissen und hast somit auch nicht vorsätzlich gehandelt. Hast du sie aber erst nach der Gesetzesänderung eingereicht, und die Änderungen nicht berücksichtigt, hast du vorsätzlich gehandelt.

Ein präventives Verhalten deinerseits kann dir also viel Ärger und Aufwand im Nachhinein ersparen, wenn du von Anfang an den richtigen MwSt.-Satz berechnest.

 

Wann darf ich denn nun noch 7% nehmen?

Wenn es dir die Gesetzgebung erlaubt. Aktuell sind theaterähnliche Aufführungen (mit mehr als 1 Person) u.a. mit 7% erlaubt. Welche noch erlaubt sind kannst du dem Umsatzsteuer-Gesetz entnehmen. Vergewissere dich aber genau ob du alle Anforderungen dafür erfüllst. Ein ausgiebiges Gespräch mit deinem Steuerberater und Rückfrage beim Finanzamt kann hier hilfreich sein. Stuft dich dein Steuerberater aber trotz anderer Rechtsprechung mit 7% ein, solltest du dir Gedanken machen ob er wirklich der richtige Steuerberater für dich ist, denn er scheint sich nicht mit der aktuellen Gesetzeslage auseinander gesetzt zu haben.

 

Was soll eigentlich der Blödsinn mit den 7% und 19% Steuersätzen für Künstler, Theater und Co und warum sollen Solisten jetzt anders behandelt werden als Ensembles?

Der Kontext lieg eigentlich auf der Hand: Mehr steuerliche Einnahmen für den Staat. Durch die Zahlreichen Prüfungen wird somit durch die damit verbundenen MwSt.-Nachzahlungen die Steuereinahmen erhöht oder zumindest die Vorsteuer-Ausgleiche reduziert. Wie das? Ganz einfach:

Wenn du bisher 7% genommen hast , hat du aber 19% bei deinen Anschaffungen geltend gemacht.  Beispiel: Du hast die ein neues Instrument oder eine neue Requisite für 1000,- € netto gekauft dann hast du 190,- e in Form von 19% MwSt. hinzugezahlt die du die bei deinem Vorsteuer Jahresausgleich zurückholen kannst. Im Gegenzug hast du einen Auftritt für 1000,- € netto gemacht, und somit 70 € MwSt. durch bisher 7% MwSt. eingenommen die du ans Finanzamt abzuführen hast. Es bleibt bei dieser Beispielrechnung also ein Guthaben von 120,- € für dich übrig.

Berechnest du 19% MwSt. bleibt kein Guthaben übrig, somit muss das Finanzamt schon Mal nichts auszahlen. Erhöhst du jetzt die Zahlen entsprechend, siehst du hier sofort den Vorteil für die Finanzämter.

Der Leidtragende ist letztendlich aber der Privatkunde oder du selbst. Denn der Privatkunde muss künftig, um bei der Beispielrechnung von oben zu bleiben, 1190,- € statt 1070,- zahlen und du hast durch die höheren MwSt.-Einnahmen weniger Vorsteuer-Rückzahlungen zu erwarten, für den Fall das du viel in deinem aktuellen Geschäftsjahr angeschafft hast.

 

Meine Gedanken dazu:

Eine einheitliche Regelung für die MwSt. wäre hier angebracht. Es sollte klar formuliert sein was nun 7% und was 19% unterstellt ist die nicht anhand einer Besetzungsgröße (Ensemble) bemessen wird, sondern daran ob dass, was ausgeübt wird Kunst bzw. eine künstlerische Darbietung ist. Der Blick auf die Richtlinien der Künstlersozialkasse wären hierbei sinnvoll. Dies nimmt nämlich nur Künstler auf, egal ab Solist, im Ensemble oder als Freiberufler. Okay, nicht jeder ist in der KSK versichert, weil er lieber privat versichert sein will, freiwillig gesetzlich versichert ist , und, und , und.

Aber: Wenn man dazu berechtigt ist auf Grund seiner Leistungen in die KSK aufgenommen zu werden, dann ist man auch Künstler, Punkt. Unabhängig davon ab man sich dann auch tatsächlich dort versichern lässt. All diese Kollegen sollten dann auch dazu berechtigt sein den vergünstigten MwSt.-Satz von 7% zu berechnen. Selbst wenn sie dann noch 10% Umsatz aus nicht-Künstlerischer Tätigkeit erwirtschaften, denn diese bis zu 10% Umsatz sind entscheidend für die Aufnahme in die KSK, so können sie ja dann für diese restlichen Einnahmen mit 19% arbeiten. Es könnte also alles viel einfacher sein als bisher. Beispiel:

Trete ich als Bauchredner alleine auf bin ich 19%pflichtig, Spiele ich meine gleiche Bauchrednershow in einem Ensemble, so wäre ich 7% berechtigt. Was für ein Blödsinn ist denn das? Wir reden hier von gleichem Inhalt, gleicher Leistung, gleichem Arbeitsaufwand, und dennoch 2 verschiedene MwSt.-Sätze?

Eine Band wäre beispielsweise nach der Gesetzeslage wiederum berechtigt nur 7% zu nehmen sofern sie ein Orchester sind. Bei „kommerzieller Musik“ ist man aber als Musiker wiederum 19% pflichtig.

Um auf Nummer sicher zu gehen ist es prinzipiell möglich generell die 19% zu nehmen, es sei denn ein Kunde, der die MwSt. nicht wiederbekommt verlangt auf Grund der Rechtsprechung dass du im nur 7% berechnest, weil er es an Hand der Gesetze dir begründen kann. Dann wärest du auch dazu verpflichtet ihm nur die 7% zu berechnen, denn du darfst nicht mehr Steuern kassieren als vorgesehen.

Das wäre in etwa so als würde der Supermarkt künftig alle Lebensmittel mit 19% anstatt 7% besteuern. Wäre nicht rechtens.

 

Hier noch ein paar Auszüge aus dem Gesetz bzw. Urteilen:

Umsatzsteuerfrei sind beispielsweise die Umsätze aus der Tätigkeit als

  • 4 Nr. 20a UStG: Aufführungen von Museen, Theatern, Orchestern (Konzerte), Chören, Einzelkünstlern wie Schauspieler, Musiker, Sänger, Tänzer, Kabarettist, Pianist (BMF-Schreiben vom 31.7.2003, BStBl. 2003 I S. 424) und Dirigent.

Ermäßigter Steuersatz von 7 %
Dem ermäßigten Steuersatz unterliegen insbesondere Umsätze für den menschlichen Grundbedarf (z.B. Lebensmittel, Bücher, Zeitungen, Fahrten im öffentlichen Personennahverkehr). Aber auch für die Einräumung, Übertragung und Wahrnehmung von Urheberrechten und die Eintrittsberechtigung für Theater, Konzerte und Museen, sowie die den Theatervorführungen und Konzerten vergleichbaren Darbietungen ausübender Künstler, sofern diese Umsätze nicht nach § 4 Nr. 20 UStG steuerfrei sind, kommt der ermäßigte Steuersatz in Betracht. Unter den Begriff Konzert sind alle musikalischen und gesanglichen Aufführungen zu verstehen. Derartige Veranstaltungen sind nur dann begünstigt, wenn Leistungen anderer Art, die in Verbindung mit diesen Veranstaltungen erbracht werden, von so untergeordneter Bedeutung sind, dass dadurch der Charakter der Veranstaltung als Konzert nicht beeinträchtigt wird

7% MwSt. dennoch bei Musikern möglich:

Musikalische Darbietungen können nach dem ermäßigten Steuersatz von 7% abgerechnet werden, sofern sie in Form eines Konzertes erfolgen.

Aber Vorsicht: Dies gilt nur, wenn der Hauptzweck des Auftritts das Konzert selbst ist. Wenn die Musik so nebenbei läuft, sprich auf einer Tanzveranstaltung, in einer Kneipe, bei Sport-Veranstaltungen oder bei Veranstaltungen aller Art, die von der musikalischen Darbietung umrahmt sind, müssen 19% angesetzt werden.

Allerdings sind die Grenzen zwischen solchen Veranstaltungen nicht klar definiert. In der Praxis herrscht oft Unklarheit und auch die örtlichen Finanzämter blicken nicht immer durch. Wenn ganz klar erkennbar ist, dass deine musikalische Leistung nur als Rahmenprogramm dient, zum Beispiel wenn du als Tanzband gebucht wirst, dann schreibe besser die 19% auf deine Rechnung.

All dies gilt es genau zu prüfen, denn das Finanzamt sitzt am längeren Hebel und kennt keine Erbarmen wenn du falsch berechnet hast.

 

Ich hoffe dir wieder ein paar Fragen beantwortet und ggf. ein paar Unannehmlichkeiten verhindert zu haben

Dieser Beitrag darf, wie auch meine anderen Beiträge, gern geteilt werden (Teilen, nicht kopieren). Auch über einen Link von deiner Homepage zu diesem Beitrag würde ich mich freuen.

 

In diesem Sinne bis bald

Marcus Magnus

 

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